Was tun bei Stromausfall? Tipps zur Vorbereitung und Handlungshinweise

Energiewissen

In einem industriestarken Land wie Deutschland ist der Energiesektor für das öffentliche Leben essentiell. Wie wichtig die Energieversorgung für jeden Einzelnen ist, aber auch zum Beispiel für den Verkehr und die Industrie, bemerken wir erst, wenn der Strom ausfällt.

Dabei liegt die Dauer der Stromstörung in Deutschland pro Stromverbraucher nur bei etwa zwölf Minuten pro Jahr. Trotzdem ist ein Blackout-Szenario, in dem der Strom mehrere Tage beziehungsweise großflächig in einer ganzen Region ausfällt, nicht völlig auszuschließen. Wie können sich Haushalte auf die Ausnahmesituation vorbereiten? Und was sollten Sie bei einem Stromausfall oder einem Blackout tun? Erfahren Sie hier, welche Vorkehrungen Sie treffen
können und welche Schritte im Ernstfall ergriffen werden sollten.


Ursachen und Folgen von Stromausfällen

Sobald der Stromkreislauf unterbrochen wird, fällt die Stromversorgung in kleineren oder größeren Gebieten aus. Dabei kann ein Stromausfall sowohl durch lokale als auch dezentrale Ursachen entstehen. Sehr oft führen umgestürzte Bäume oder herabfallende Äste während Unwetterlagen zu einer Unterbrechung des Stromkreislaufes. In diesen Fällen wird die Ursache meistens schnell gefunden und ein Stromausfall innerhalb weniger Stunden behoben.

Auch Stromausfälle in einzelnen Gebäuden sind möglich, beispielsweise durch eine Überlastung des Stromnetzes oder durch einen Kurzschluss. Ein Kurzschluss kann an verschiedenen Stellen entstehen, wie zum Beispiel in Schaltern oder Steckdosen, aber auch in angeschlossenen Geräten oder in der Leitung selbst. Ein Kurzschluss verursacht meist das Herausspringen der Sicherung, damit größere Schäden am Gebäude vermieden werden. Ist nur die Sicherung rausgesprungen, kann die Ursache in einem eingegrenzten Bereich des Objekts gesucht werden: Ein defektes Gerät, das angeschlossen wurde, oder auch ein durch Nager oder andere Tiere beschädigtes Stromkabel können die Verursacher sein.

Wird der Fehlerstromschutzschalter, kurz FI-Schalter, ausgelöst, liegt ebenfalls eine Art von Defekt vor. Im Gegensatz zu den üblichen Schutzmechanismen im heimischen Stromkasten unterbricht diese Schutzvorrichtung auch dann den Strom, wenn bereits feinste Fehlerströme wahrgenommen werden, beispielsweise durch kaputte Geräte, die am Stromnetz angeschlossen sind. Diese Art der Schutzeinrichtung dient in erster Linie dem Personenschutz. Daher muss erst die Störung gefunden werden, bevor der Strom wieder wie gewohnt fließen darf.


Auswirkungen eines Blackouts

Sowohl das Ausmaß als auch die Dauer unterscheiden einen klassischen Stromausfall von einem Blackout. Bei einem Stromausfall sind nur der einzelne Haushalt oder bestimmte Gebäude betroffen. Kommt es in einem größeren Gebiet, einem Bundesland oder sogar in einem ganzen Land zu einer Störung im Stromkreislauf, wird die Infrastruktur des Landes erheblich getroffen.

Bei einem Blackout fallen elektrobetriebene Transportsysteme wie Züge und Aufzüge aus. Der Straßen- und Personenverkehr ist durch fehlende Beleuchtung und Lichtsignalanlagen wie Ampeln stark eingeschränkt. Lebensmittel in Haushalten, der Lebensmittelindustrie und in gastronomischen Einrichtungen können nicht mehr gekühlt werden, da die Kühlschränke und Tiefkühltruhen nicht mehr mit Strom versorgt werden. Auch Kommunikationskanäle funktionieren nicht mehr oder sind stark eingeschränkt. Das Aufladen von Akkus ist nicht mehr möglich und somit fallen die gängigen Geräte zur Informationsbeschaffung wie zum Beispiel Tablets, Fernseher und Handys aus. Handelt es sich um einen großflächigen Stromausfall, fallen auch Mobilfunknetze und Sendemasten aus. Besonders betroffen bei einem Blackout sind kritische Infrastrukturen. Dies sind Systeme, die für die Aufrechterhaltung des Gemeinwesen von großer Bedeutung sind:

  • Versorgung
  • Transport und Verkehr
  • Gefahrstoffe
  • Energie
  • Informationstechnik und Telekommunikation
  • Finanz-, Geld- und Versicherungswesen
  • Behörden und Verwaltung
  • Sonstiges


Besser vorsorgen: Praktische Tipps zur Vorbereitung auf einen Stromausfall

Ob Stromausfall oder Blackout: Fällt der Strom aus, passiert dies überraschend. Um in solch einem Fall zu wissen, was zu tun ist, lohnt sich die Vorbereitung auf einen Stromausfall.

Das sind die wichtigsten To-dos: 

  • Beleuchtung: Um Unfälle im Dunkeln zu vermeiden, sollten Taschenlampen und Ersatzbatterien oder Akkus eingelagert sein. Auch ein Vorrat an Kerzen, Streichhölzern und/oder Feuerzeugen sind empfehlenswert.
  • Kommunikation: Wichtige Notfallnummern sollten schriftlich vorliegen. Fällt das eigene Handy – und damit das Adressbuch – aus, können bei lokalen Stromausfällen wichtige Anrufe womöglich in der Nachbarschaft getätigt werden. Um wichtige Informationen zu erhalten, ist ein batteriebetriebenes Radio praktisch.
  • Wärme / Heizung: Auch umweltfreundliche Heizungen benötigen Strom, weshalb es während einer Stromstörung im Winter besonders kalt werden kann. Halten Sie deshalb einige Decken und warme Kleidung bereit. Wenn Sie eine zusätzliche Ofenheizung oder einen Kamin haben, sollten Sie ausreichend Brennholz gelagert haben.
  • Lebensmittel: Der Vorrat an unverderblichen Lebensmitteln, die ungekocht gegessen werden können, sollte für etwa zehn Tage gedeckt sein.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bietet eine Checkliste an, mit der Haushalte im Falle eines Blackouts für etwa zehn Tage versorgt sind. In der Checkliste des BBK ist auch eine praktische Lebensmittel-Übersicht mit Rechenbeispielen vorhanden.


10 Schritte: Was tun bei einem Stromausfall?

Und was, wenn Sie sich mal nicht im Vorhinein auf den Notfall vorbereiten konnten? Meistens ist ein Stromausfall schon nach wenigen Stunden wieder behoben. In seltenen Fällen kann ein Stromausfall oder ein Blackout auch mehrere Tage andauern. Mit diesen nützlichen Hinweisen meistern Sie den Ernstfall – auch wenn Sie sich nicht vorbereiten konnten:

  1. Ruhe bewahren: Jeder Stromausfall hat ein Ende und Sie sind nicht allein.
  2. Klärung der Situation: Finden Sie zunächst heraus, ob von dem Stromausfall nur Ihr eigener Haushalt oder ein ganzer Straßenzug betroffen ist. Werfen Sie dazu einen Blick in den Sicherungskasten. Ist eine Sicherung herausgesprungen, liegt die Ursache wahrscheinlich im eigenen Objekt. Fragen Sie ansonsten in der Nachbarschaft, ob auch dort der Strom ausgefallen ist.
  3. Stromausfall melden: Informieren Sie Ihren örtlichen Stromanbieter, damit dieser handeln kann. Außerdem können Sie die Stromstörung über die Störungsauskunft melden.
  4. Machen Sie Licht: Sorgen Sie mit Taschenlampen und/oder Kerzen für Licht.
  5. Gefahrenquellen ausschalten: Sie hatten zum Beispiel den E-Herd an als der Strom ausfiel? Schalten Sie alle elektrischen Geräte aus, um beim Anstellen des Stroms in keine gefährliche Situation zu geraten.
  6. Richten Sie sich ein: Ziehen Sie sich bei Kälte ausreichend Kleidung an und schaffen Sie einen zentralen Platz für wichtige Dinge wie das Handy, Medikamente oder die Telefonliste. Wenn klar ist, dass der Stromausfall länger anhalten wird, versuchen Sie die nächsten Tage strategisch zu planen.
  7. Akkus schonen: Sollte das Netz noch funktionieren, so verwenden Sie Ihr Handy, Radio oder andere elektronische Kommunikationsmittel nur sehr sparsam, um möglichst lange erreichbar zu sein.
  8. Lebensmitteleinsatz planen: Zuerst sollten Sie die verderblichen Produkte verbrauchen. Öffnen Sie außerdem den Kühlschrank so wenig wie möglich, damit sich die Temperatur länger hält.
  9. Medizinische Notfälle/Notrufe nutzen: Steuern Sie bei Bedarf die örtliche Feuerwache, die Rettungswache oder Polizeistation an.
  10. Informieren: Achten Sie bei einem anhaltenden Stromausfall auf öffentliche Lautsprecherdurchsagen.

Weitere praktische Tipps gibt der Ratgeber des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: „Katastrophen-Alarm“.


Wer hilft bei einem Stromausfall oder Blackout?

Durch das föderalistische System in Deutschland werden Stromausfälle zunächst durch örtliche Behörden und Dienstleister bearbeitet. Kommt es zu größeren Stromausfällen, werden nach und nach die höheren Zuständigkeiten informiert, bei einem Blackout ist das Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) als oberste Katastrophenschutzbehörde zuständig. Außerdem sind die örtliche Polizei und Feuerwehr sowie das Technische Hilfswerk Ansprechpartner für die betroffene Bevölkerung.


Wie wahrscheinlich ist ein Blackout in Deutschland?

Blackouts sind sehr selten und auch der klassische Stromausfall ist eine Ausnahme. Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) liegt Deutschland im EU-Ranking, mit einer Versorgungsunterbrechung von nur ca. zwölf Minuten pro Jahr je Stromverbraucher, hinter der Schweiz auf Platz 2.

Der CEER Benchmarking Report zeigt: Deutschland gehört zu den Spitzenreitern der stabilen Stromversorgung.

Dass ein Blackout aber auch in Deutschland möglich ist, zeigt der massive Stromausfall im Münsterland. Im November waren 2005 rund 250.000 Menschen etwa vier Tage von dem Stromausfall betroffen, der durch ein Sturmtief sowie Schneefälle mit bis zu 50 cm in zwölf Stunden verursacht worden war. Das Münsterländer Schneechaos führte dazu, dass 25 Gemeinden keinen Strom hatten und war damit der größte Stromausfall der deutschen Nachkriegsgeschichte in Deutschland.

Auch ein internationaler Blackout kann passieren. Erst im Januar 2021 entging die EU einem flächendeckenden Stromausfall. Ein europaweites Stromnetz – das europäische Verbundsystem (EV) – sorgt in der Regel für eine hohe Versorgungssicherheit. Das plötzliche Abfallen der Netzfrequenz des europäischen Netzes unter die Marke von 49,75 Hertz führte aber zu einer europaweiten Destabilisierung des Stromnetzes, sodass regulierend eingegriffen werden musste.

Um einen Blackout zu verhindern, wurden das südosteuropäische Stromnetz sowie industrielle Verbraucher in Italien und Frankreich vorübergehend vom Verbundnetz getrennt. Österreich fuhr zudem Stand-by-Kraftwerke hoch. Innerhalb einer Stunde konnte der Stromkreislauf wieder stabilisiert werden. Die österreichische Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV) sprach von der schwersten Störung im europäischen Stromnetz seit mehr als 14 Jahren.

Auch in Zukunft kann es zu flächendeckenden Stromstörungen kommen. Zum einen werden Cyberangriffe aufgrund der sich immer weiter digitalisierenden Gesellschaft wahrscheinlicher. Zum anderen muss dafür gesorgt werden, dass die erneuerbaren Energien wie etwa Solarenergie optimal und frei von Schwankungen ins Stromnetz eingespeist werden können. Für eine bedarfs- und verbrauchsorientierte Stromversorgung arbeitet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie beispielsweise an einem intelligenten Stromnetz, auch Smart Grid genannt. Hierbei sollen alle Akteure des Energiesystems so miteinander vernetzt werden, dass der Strom effizient dort zur Verfügung steht, wo er benötigt wird.

Auch wenn die Anforderungen an das Stromnetz der Zukunft hoch sind, sind anhaltende Stromausfälle in Deutschland nicht sehr wahrscheinlich. Trotzdem ist es sinnvoll, auf solche Ausnahmesituationen im eigenen Haushalt vorbereitet zu sein. Treffen Sie in Ihrem Zuhause geeignete Maßnahmen, um einen Stromausfall gut zu meistern.

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