E-Scooter: Eine Chance für den Individualverkehr?

    E-Mobilität

    Die flinken und wendigen E-Scooter kennt inzwischen jeder. Seit 2019 sind sie für den Einsatz auf der Straße zugelassen und werden vor allem in den Städten immer beliebter. Welche Vor- und Nachteile E-Scooter haben, welche Chancen sie für den Individualverkehr und den Umweltschutz bieten und ob sich ein Kauf lohnt, erfahren Sie hier.

    Was Sie über E-Scooter wissen sollten

    Wer sich einen E-Scooter kaufen oder leihen möchte, entscheidet sich für ein durchaus leistungsfähiges Elektrokleinstfahrzeug. Die Höchstgeschwindigkeit liegt für Erwachsene bei 20 km/h. Mit einer Reichweite zwischen 20 und 30 Kilometern sind E-Scooter vor allem für Kurzstrecken innerhalb von Städten geeignet. Danach muss der Akku wieder aufgeladen werden, was etwa drei bis acht Stunden dauert.

    Wer darf E-Scooter fahren?

    Für E-Scooter gelten gewisse Regeln:

    • Das Mindestalter für E-Scooter mit Straßenzulassung beträgt 14 Jahre.
    • Es gilt die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO).
    • Ausschließlich E-Scooter mit Straßenzulassung und Betriebserlaubnis sind legal.
    • Es gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Bei Fahranfängern in der Probezeit und bei Verkehrsteilnehmern unter 21 Jahren gilt die 0,0-Promillegrenze.
    • Es darf nur eine Person auf dem E-Scooter fahren.
    • Wie auch E-Bikes dürfen E-Scooter auf Radwegen, Radfahrstreifen, Fahrradstraßen oder außerorts auch auf Seitenstreifen fahren.
    • E-Scooter dürfen nur in bestimmten Zonen abgestellt werden: am Straßenrand, auf dem Gehweg und, wenn Fußgängerzonen für E-Scooter freigegeben wurden, auch dort. Allerdings gilt der Grundsatz, dass Fußgänger und Rollstuhlfahrer nicht behindert werden dürfen.
    • Fahrer benötigen keinen Führer- oder Mofaschein.
    • Eine Helmpflicht besteht nicht.
    Die Regeln auf einem Blick

    Vor- und Nachteile des E-Scooters

    Zu den E-Scooter Vorteilen zählt ihre Nachhaltigkeit, dank der Strom-Betankung erzeugen sie lokal praktisch keine Emissionen – vorausgesetzt es wird Strom aus erneuerbaren Energien für die Aufladung genutzt. Sie sind leise im Betrieb und ein Abstellplatz ist schnell gefunden. Auf dem täglichen Weg zur Arbeit kann man städtische Staus umgehen und gelangt schnell ans Ziel. Außerdem sind E-Scooter günstig in der Anschaffung und im Betrieb. Robuste und alltagstaugliche Modelle gibt es ab ca. 300 Euro. Weitere Pluspunkte sind das geringe Gewicht und ein einfacher Transport, etwa im Kofferraum eines Autos. In Städten kann man die E-Scooter dank Sharing-Konzepten ausleihen. Eine Eigenanschaffung ist daher gerade in größeren Städten nicht zwingend nötig, da die Dichte der ausleihbaren E-Scooter sehr hoch ist.

    Jedoch ist die Verkehrsinfrastruktur für die neuen Kleinstfahrzeuge noch nicht ausreichend. Schon heute sind Radwege und Radschutzstreifen vielerorts zu schmal. Viele Radwege sind in einem schlechten Zustand, oft gibt es auch noch zu wenige Radwege für ein kontinuierlich steigendes Verkehrsaufkommen. Daher sollte zukünftig bei der Stadtplanung, z.B. bei Smart City Konzepten, eine ausreichende Infrastruktur für E-Mobilität geschaffen werden. Zudem sind E-Scooter-Fahrer im Vergleich zu Autofahrern bei Unfällen weniger geschützt und es besteht teils ein erhöhtes Unfallrisiko – vor allem bei ungeübten Fahrern, die die Geschwindigkeit der flinken Roller unterschätzen. Ein weiteres Problem ist, dass die E-Scooter oft unachtsam abgestellt werden und im Weg stehen.

    Sind E-Scooter umweltfreundlich und eine echte Chance für den Individualverkehr?

    Wie umweltfreundlich E-Scooter sind, lässt sich heute noch nicht eindeutig beantworten. Die beachtliche Energieeffizienz wirkt sich eindeutig positiv auf die Umweltbilanz des E-Scooters aus. Im Unterschied zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor profitieren sie, ähnlich wie E-Autos, von einer umweltfreundlichen Ladetechnik. Darüber hinaus sind sie klein und leicht. Durch die Begrenzung des zulässigen Fahrzeuggewichts auf maximal 55 Kilogramm sind sie im Vergleich zu anderen motorisierten Fahrzeugen besonders effizient im Verbrauch.

    Allerdings kann die Technik nur bei sinnvoller Nutzung ihre Vorteile ausspielen. Wenn die Kleinstfahrzeuge im Sharing-Betrieb mutwillig zerstört oder achtlos als Stadtmüll „entsorgt“ werden (z. B. in Flüssen), wirkt sich das negativ auf das Umweltkonto aus. Zudem geht man bei Leih-Scootern aufgrund der starken Belastung derzeit nur von einer maximalen Einsatzdauer von 10 bis 18 Monaten aus. Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit der Öko-Bilanz der E-Mobilität sind die Akkus, deren Produktion und Entsorgung die Umwelt belastet. Die Herstellung der Batterien ist energieintensiv und wirkt sich negativ auf die CO2-Bilanz der Technologie aus.

    Lesen Sie hier, wie Sie Haushaltsbatterien richtig nutzen und entsorgen und damit Ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern.

    Aktuelle Untersuchungen zur Nutzung im Bereich des Individualverkehrs zeigen, dass mit dem E-Scooter derzeit eher kurze Distanzen zurückgelegt werden (im Durchschnitt ca. 1,8 Kilometer). Ersetzen E-Scooter vornehmlich kürzere Fußwege oder die tägliche Einkaufstour mit dem Rad, sind die Effekte für die Verkehrswende und den Umweltschutz eher gering.

    Größeres Potenzial könnten Kleinstfahrzeuge für den Klimaschutz entfalten, wenn sie stärker in urbane Verkehrskonzepte integriert werden. So sollten E-Scooter möglichst nahtlos in den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) eingebunden werden. Über digitale Plattformen könnten sie in Urban Mobility Konzepte einbezogen werden, sodass ÖPNV-Kunden die neuen Kleinstfahrzeuge als echte Option, z.B. für touristische Städtetouren oder den täglichen Weg zur Arbeit, wahrnehmen. Eine Tarifgestaltung mit attraktiven Preisen und Sharing-Konzepte mit einer hohen Verfügbarkeit der Fahrzeuge im gesamten Ballungsraum von Städten könnten die Akzeptanz im Individualverkehr noch erhöhen.

    Sie wollen mehr zu alternativen Antrieben und Fortbewegungsmöglichkeiten erfahren? Wir erklären unter anderem den Unterschied zwischen einem E-Bike und einem Pedelec.

    Leih-Scooter erfreuen sich gerade in den Großstädten hoher
    Beliebtheit, sorgen aber auch für Unmut, da sie oft nicht sachgemäß abgestellt
    werden und im Weg stehen.

    E-Scooter kaufen oder leihen?

    E-Scooter sind zunächst als Leihgeräte im Rahmen von Sharing-Konzepten bekannt geworden. Mittlerweile zeigen Erfahrungswerte und Studien aber, dass der Kauf eines E-Scooters meist günstiger und aus ökologischer Sicht empfehlenswerter ist. Warum das so ist, zeigen Beispiele aus der Praxis:

    Für Pendler ist der Kauf eines E-Scooters interessant, wenn sie etwa täglich eine Kurzstrecke zwischen U-Bahn und Büro zurücklegen müssen. Sie sparen sich die Leih- und Grundgebühren, die ansonsten bei jeder Ausleihe anfallen würden (normalerweise fallen pro Ausleihe 1 Euro Grundgebühr sowie 15 bis 25 Cent pro Nutzungsminute an). Arbeitet man 21 Tage im Monat, werden 42 Euro Grundgebühren fällig. Hinzu kommt eine Minutengebühr. Beträgt sie 20 Cent, sind monatlich bei einer täglichen Fahrstrecke von 6 Kilometern ca. 120 Euro zu zahlen. Auf ein Jahr hochgerechnet, belaufen sich die Mietkosten dann insgesamt auf fast 2000 Euro.

    Ein Kauf rechnet sich angesichts der hohen Mietkosten durchaus, da alltagstaugliche E-Scooter bereits ab einem Preis von ca. 300 Euro zu haben sind. Allerdings brauchen E-Scooter Besitzer eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Das Kennzeichen hat eine Gültigkeit von maximal einem Jahr. Die Versicherung wird bei einer Versicherungsgesellschaft abgeschlossen und schlägt mit ca. 40 bis 80 Euro pro Jahr zu Buche.

    Wer einen E-Scooter leiht, hat hingegen keine zusätzlichen Aufwände. Anschaffungs-, Wartungs- und Versicherungskosten entfallen. Man muss sich nicht um eine diebstahlsichere Unterbringung kümmern und sich ein teures Schloss für einen E-Scooter besorgen. Auch wenn der Kauf meist günstiger und umweltfreundlicher ist, Leih-Scooter können sich bei vereinzelten und zugleich kurzen Fahrten pro Monat durchaus lohnen. Mit Leihgeräten sind Nutzer oftmals flexibler unterwegs und können die E-Scooter nach der Nutzung bequem an vielen Stellen abstellen. Außerdem sind Leih-Scooter vielerorts verfügbar, sodass man sie auch spontan nutzen kann.

    E-Scooter: Noch keine Alternative zum Auto

    Derzeit können E-Scooter den Autoverkehr noch kaum entlasten, dazu ist ihr Einfluss auf den städtischen Verkehr und insbesondere auf das Verhalten von Autofahrern noch zu gering. Gerade im verkehrsinfrastrukturellen Bereich müssen noch wichtige Voraussetzungen geschaffen werden, um E-Mobilität und Klimaschutz optimal zu verknüpfen. Trotzdem können E-Scooter für bestimmte Nutzerkreise (z.B. Pendler) heute schon eine attraktive und nachhaltige Mobilitätsalternative sein.

    Den eigenen E-Scooter können Sie bequem laden, indem Sie ihn beispielsweise über ein Ladekabel an das Hausnetz anschließen. Wenn Ihr Haushalt mit Strom aus 100% erneuerbaren Energien versorgt wird, “tanken” Sie besonders nachhaltig. Der Strom von Shell Energy stammt aus norwegischen Wasserkraftanlagen. Wir erklären, wie Wasserkraft in Energie umgewandelt wird und was Wasserkraftwerke für die Energiewende leisten.

    Tarifrechner

      Personen im Haushalt3

      Die neuesten Artikel

      Gasarten im Überblick

      Biogas, Klimagas & Ökogas: Nachhaltigkeit im Vergleich

      Erneuerbare Energie
      Smart Home Sicherheitssysteme

      So schützen Sie Ihr Zuhause

      Smart Life
      Was ist die Energiewende?

      Erneuerbare Energien für nachhaltigen Klimaschutz

      Erneuerbare Energie