Emissionshandel: CO₂-Ausgleich durch Klimazertifikate

    Nachhaltigkeit

    Klimazertifikate spielen bei der Reduktion von Treibhausgasen eine wichtige Rolle. Mit ihrer Hilfe können Staaten und Unternehmen aktiv am Klimaschutz teilnehmen und durch CO₂-Kompensation die Folgen des Klimawandels reduzieren. In diesem Artikel erklären wir, wie der weltweite Emissionshandel mit Klimazertifikaten funktioniert und was er bisher bewirkt hat.

    Warum müssen klimaschädliche Emissionen reduziert werden?

    Indem Treibhausgase wie CO₂ in der Industrie oder auch im privaten Bereich in großen Mengen freigesetzt werden, sorgen wir für eine Erwärmung der Atmosphäre. Die Folgen der Erderwärmung sind schon heute spürbar: Extreme Wetterereignisse wie Überflutungen, Stürme, Trockenheit und Waldbrände nehmen zu. Dieser Entwicklung kann entgegenwirkt werden, indem wir aktiv Maßnahmen zum Schutz der Umwelt ergreifen. Verbraucher verringern ihren CO₂-Fußabdruck, indem sie beispielsweise vermehrt das Fahrrad oder E-Bike nutzen, im Vergleich deutlich nachhaltigeres Biogas zum Heizen und Kochen verwenden oder Strom im Haushalt sparen.

    Auch Unternehmen gestalten die Energiewende mit. Shell will auf dem Weg zu Netto-Null-Emissionen den CO₂-Fußabdruck, der mit der Nutzung von Shell Produkten verbunden ist, bis 2050 schrittweise um bis zu 65 Prozent reduzieren. Unternehmen und Staaten beteiligen sich zudem am Emissionshandel mit Klimazertifikaten.

    Wie funktionieren Klimazertifikate?

    Der Emissionshandel mit Klimazertifikaten funktioniert nach dem Verursacherprinzip. Wer für den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verantwortlich ist, muss dafür Emissionsrechte in Form von CO₂-Zertifikaten erwerben. Dabei kann der Emissionshandel mit Klimazertifikaten zwischen Staaten und Unternehmen stattfinden.

    Ein Zertifikat bezieht sich auf eine Tonne Kohlendioxid, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums produziert werden darf. Fallen etwa bei der industriellen Produktion von Waren 10 Tonnen CO₂ an, müssen 10 Zertifikate gekauft werden. Am Ende eines festgelegten Zeitraums müssen Unternehmen belegen, dass ihre Treibhausgasemissionen durch käuflich erworbene Zertifikate kompensiert wurden. Nicht alle Wirtschaftsbranchen müssen in Deutschland Zertifikate erwerben. Vor allem Verursacher von großen Treibhausgasmengen, wie Unternehmen in der Eisen- und Stahlindustrie, in der Baubranche sowie Stromproduzenten und der Flugverkehr innerhalb der EU, benötigen Klimazertifikate. Erworben werden die Zertifikate entweder auf staatlicher Ebene im Rahmen des Kyoto-Protokolls oder auf dem “freiwilligen Markt" -- hier allerdings ohne offizielle Regulierung.

    Mit den Einnahmen aus dem Zertifikatehandel werden insbesondere Maßnahmen zum Ausgleich des CO₂-Ausstoßes finanziert. Diese CO₂-Kompensation erreicht man z.B. durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten. Durch Aufforstungsprojektebeispielsweise wird der Atmosphäre CO2 entzogen und in Biomasse gebunden. Die CO₂-Kompensation ist aber nicht die einzige Funktion des Emissionshandels. Der Handel mit Klimazertifikaten soll Unternehmen auch dazu bringen, aktiv in vorbeugende Maßnahmen zu investieren und beispielsweise veraltete Produktionsanlagen zu modernisieren.

    Auch Shell beteiligt sich am CO₂-Ausgleich. Dabei beschränken wir uns nicht auf den Emissionshandel mit Klimazertifikaten. Wir fördern darüber hinaus spezielle Projekte (nature based solutions/NBS), die sich auf den Schutz und den Aufbau ganzer Ökosysteme konzentrieren. Dazu zählen Wälder, Grasland, Feucht- und schützenswerte Küstengebiete. Diese NBS-Projekte binden dauerhaft CO₂ bzw. verhindern die Freisetzung von Treibhausgasen. Gleichzeitig profitiert die Biodiversität einer Region von unseren nachhaltigen NBS-Lösungen/Projekten. Die Projekte und der Zertifikatehandel sind wichtige Bausteine unserer Netto-Null-Emissionen-Strategie, mit der wir bis 2050 den mit dem Verbrauch von Shell Produkten verbundenen Netto-Kohlenstoff-Fußabdruck um 65 Prozent reduzieren wollen. Zudem halten wir uns an die Treibhausgasquote (THG-Quote). Das gesetzlich geregelte Instrument gibt eine Einsparungsquote für Treibhausgase und deren Kompensation vor.

    Europäischer Emissionshandel nach dem „Cap & Trade“-Prinzip

    Der Emissionshandel wird inzwischen europaweit eingesetzt, um Treibhausgase zu reduzieren. In Deutschland regelt seit 2021 das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) den Zertifikatehandel, der hierzulande im Zusammenspiel mit der CO₂-Bepreisung die Energiewende vorantreiben soll.

    Europaweit ist der Europäische Emissionshandel (EU-ETS) für den Handel mit Klimazertifikaten – nach dem „Cap & Trade“-Prinzip – verantwortlich. Es wird eine Obergrenze (Cap) für die Menge an Treibhausgasemissionen festgelegt, die von den emissionshandelspflichtigen Anlagen insgesamt ausgestoßen werden darf. Verteilt werden die Emissionszertifikate für diese Gesamtmenge durch Zuteilungen oder Versteigerungen. Am Ende eines festgelegten Zeitraums legen die Verursacher (Emittenten) Klimazertifikate in der Höhe der ausgestoßenen Emissionen vor. Sollten sie mehr Treibhausgase freisetzen, können sie Zertifikate nachkaufen. Auch ein Verkauf überschüssiger Zertifikate ist möglich. So können Unternehmen erworbene Zertifikate weiterverkaufen, wenn sie etwa durch entsprechende Maßnahmen – wie Modernisierungen oder durch den Einsatz erneuerbarer Energien – die ursprünglich veranschlagte Treibhausgasmenge nicht freisetzen.

    Verursacher von großen Treibhausgasmengen – z. B. Unternehmen in der Eisen- und Stahlindustrie – müssen ihre Emissionen über den Handel mit Klimazertifikaten ausgleichen. Die Erlöse des Emissionshandels fließen unter anderem in die Förderung der erneuerbaren Energien (z.B. Windkraft, Wasserkraft, Sonnenenergie).

    Globale Klimaschutzabkommen als Grundlage für den Emissionshandel

    Die Vereinten Nationen legten erstmals 1997 im Kyoto-Protokoll gemeinsame Ziele fest, um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken. Im Dezember 2015 beteiligten sich 197 Staaten an der Klimakonferenz in Paris. Sie einigten sich auf ein neues globales Klimaschutzabkommen, das am 04. November 2016 in Kraft trat. Insbesondere im Artikel 6 legte das Pariser Abkommen wichtige Grundlagen für einen weltweiten Ausgleich von Treibhausgasemissionen fest. 2021 wurden die jahrelangen Verhandlungen über eine wirksame globale Reduktion des CO2-Ausstoßes auf der Klimakonferenz in Glasgow (COP26) fortgeführt. Die Teilnehmer der Konferenz legten Regeln für den internationalen Emissionshandel zwischen Staaten fest und einigten sich darauf, die zuvor häufiger praktizierte Doppelzählung von Emissionsminderungen zu vermeiden. Der weltweite CO2-Handel verfolgt letztlich das globale Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen.

    Unser Tipp: Auch Sie können sich mit einfachen Maßnahmen an der Reduktion von Treibhausgasen beteiligen und die globalen Bemühungen um die Begrenzung der Erderwärmung unterstützen, zum Beispiel mit unseren Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag.

    Was hat der Emissionshandel bisher bewirkt?

    Der Emissionshandel auf der Basis von Klimazertifikaten und internationalen Klimaschutzabkommen ist ein wirksames Mittel zur Reduktion von Treibhausgasen. Bis Ende Januar 2021 wurden 7.846 Projekte bei den Vereinten Nationen registriert. Durch diese Projekte konnten klimarelevante Treibhausgase in Höhe von 2,054 Milliarden Tonnen kompensiert werden. Die Zahl bezieht sich auf sogenannte Kohlendioxid-Äquivalente – neben Kohlendioxid sind damit auch andere klimaschädliche Treibhausgase wie Methan gemeint.

    Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) bewilligte bis Januar 2021 insgesamt 515 Clean Development Mechanism-Projekte (kurz CDM-Projekte) in Schwellen- und Entwicklungsländern. Außerdem stimmte die im Umweltbundesamt ansässige Behörde bis Anfang 2021 insgesamt 25 sogenannten Joint Implementation-Projekten (JI-Projekte) innerhalb Deutschlands sowie 33 JI-Projekten im Ausland zu. Zwischen 2019 und 2020 wurde in Deutschland eine Treibhausgasreduktion von 12 Prozent erzielt, es konnten also 320 Millionen Tonnen CO-Äquivalente eingespart werden. Um die globale Effizienz des Emissionshandels zu steigern, müssen allerdings noch mehr Staaten, etwa China und USA, an der globalen Reduktion von Treibhausgasen durch Klimazertifikate teilnehmen.

    Weltweiter Klimaschutz funktioniert nur, wenn Staaten und Unternehmen eng zusammenarbeiten. Nur so kann das Ziel, die Erderwärmung auf unter 2 Grad zu begrenzen, erreicht werden.

    Emissionshandel: ein Instrument zur CO₂-Reduktion

    Den Emissionshandel mit Klimazertifikaten nutzen mittlerweile viele Staaten und Unternehmen auf der ganzen Welt, um den CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Auch wir bei Shell Energy leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz – insbesondere mit unseren nachhaltigen Tarifen für Strom und Gas. Ökostrom und Biogas von Shell Energy ermöglichen Ihnen einen einfachen Umstieg auf erneuerbare Energien. Dadurch können auch Sie Ihren CO₂-Fußabdruck verringern und die Neugestaltung unserer Energieversorgung aktiv unterstützen.

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